Schwärme

 

Schon seit den 80er Jahren fragen Wissenschaftler, wie sich Vogelschwärme am Himmel oder ganze Fischschwärme in den Ozeanen organisieren. Bereits Aristoteles versuchte das Phänomen in der Antike mit dem Satz zu erklären: "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile". Welche Regeln verbergen sich hinter den dynamischen Prozessen der Schwärme und sind diese auch auf menschliches Verhalten übertragbar bzw. nutzbar?

Kollektive Intelligenz ist keine Konsensentscheidung, sondern bildet sich aus der Summe von Einzelentscheidungen

Der Verhaltensbiologe Prof. Jens Krause von der Berliner Humboldt-Universität beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit sich Menschen in einer Schwarmsituation ähnlich verhalten wie Fische oder Vögel und hat das bis dato größte wissenschaftliche Experiment mit Menschen hierzu durchgeführt. Eine Gruppe von 200 Versuchspersonen versammelte sich in einem „Startkreis“ im Mittelpunkt einer riesigen Halle. Die Versuchsteilnehmer wussten nur, dass die Bewegungsdynamik großer Gruppen untersucht werden soll. Beim Experiment galt als grundsätzliche Regel, immer in Bewegung zu bleiben, eine Armlänge Abstand von den anderen Schwärmern zu halten und nicht zu kommunizieren. Zehn Teilnehmer bekamen per Zettel die Aufgabe, den Schwarm an ein definiertes Ziel zu bringen. Das Ergebnis war verblüffend: Die zehn „Anführer“  waren in der Lage, den großen Rest der Teilnehmer ans Ziel zu führen.

In diesem Experiment kam es u. a. zu einer sogenannten „Informationskaskade“, einem Informationsfluss in einer großen Menschenmenge, der durch die Dynamik der Wechselwirkung innerhalb des Schwarms ausgelöst wird. Beginnt ein Teilnehmer innerhalb der Schwarmformation sich auf einen anderen zuzubewegen, so muss dieser ausweichen, also dem Richtungsimpuls nachgeben. Derartige Informationsübertragungen können sehr schnell ablaufen. Betrachtet man eine Menschentraube von oben, sieht man, wie sich diese Menschentraube gleichförmig beginnt in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Dem Einzelnen innerhalb der Menschenansammlung erschließt sich diese Gesamtdynamik nicht. Massenpaniken laufen nach dem gleichen Prinzip ab: Das einzelne Individuum beachtet lediglich seine eigenen Interessen und orientiert sich an der Bewegungsrichtung seiner unmittelbaren Nachbarn. Der „Schwarm“ als Ganzes, entwickelt eine einheitliche Bewegungsdynamik, die einmal in Gang gebracht, von dem einzelnen Individuum nicht mehr zu stoppen ist.

Diese Prinzipien finden aber nicht nur bei dichtgedrängten Menschenansammlungen statt. Jeder von uns hat schon Situationen im Alltag erlebt, wo mehrere Menschen sich plötzlich fast zeitgleich entschließen, das gleiche zu tun. Sind wir z. B. in einem fremden Land in einer unbekannten Stadt in den Katakomben einer U-Bahnstation, können die Sprache nicht lesen und kennen den Weg zum Ausgang nicht, dann folgen wir instinktiv zunächst anderen Menschen, die den Eindruck erwecken den Weg zu kennen. Die „Intelligenz“ der Information geht auch hier wieder von der Masse aus, nicht von dem Einzelnen. Dabei braucht es dafür aber gar nicht erst viele andere Menschen, die sich auskennen. Nur 5 % einer Masse reichen aus, um als Anführer zu fungieren. Dann würden andere folgen und denen dann der Rest.

 

Wie kann dieser Effekt auf Märkte übertragen werden?

Gemeinsames gleiches Handeln entsteht dann, wenn eine kleine Anzahl an Vorbildern etwas (Hervorstechendes) tut, was die nächsten unmittelbar nachzumachen bereit sind. Es kommt darauf an, dass die Handlungsnachahmer davon überzeugt sind zu folgen.

Wie kann ein solcher Effekt absichtlich initialisiert werden? Beispielsweise könnte der Investitionswille der Masse dadurch positiv beeinflusst werden, dass eine Anzahl akzeptierter Vorbilder in einem zeitlich engen Raum bereit sind ein markantes Investment zu tätigen und diesen Schritt, verbunden mit einer sinnvollen Begründung, öffentlich zu machen.

Medien spielen bei der Schwarmbildung häufig eine sehr große Rolle. Es geht weniger darum, ob Medien die Realität richtig wiedergeben. Entscheidender  ist der Eindruck des Medienkonsumenten, dass es sich dabei um eine Realität handelt, von der er nicht alleine betroffen sein würde. Wird also eine Nachricht verbreitet, deren Inhalt diesen Mechanismus bedient und fühlt sich der Medienkonsument davon betroffen, dann wird er – wie alle anderen gleichartigen Konsumenten auch – versuchen, die für sich gesehenen richtigen Entscheidungen zu treffen. Auf diese Weise entsteht eine Gleichschaltung, deren Auswirkungen weitreichende Entwicklungen nach sich ziehen kann.

Jüngstes Beispiel: Der Skandal um Ex-Bundespräsident Wulff. Die anfängliche Medienberichterstattung erzeugte viel Aufmerksamkeit bei Medienkonsumenten. Eine Spirale von Berichterstattungen beeinflusste die öffentliche Meinung. Viele der bis zum Rücktritt des Ex-Bundespräsidenten noch ungeklärten Vorwürfe waren den Medienkonsumenten Grund genug von seiner Schuld überzeugt zu sein. 

    Ein anderes Beispiel: Sie wissen, dass die Benzinpreise dauernd auf und ab schwanken. Sie fahren einkaufen und sehen an der Tankstelle Ihres Ortes eine ungewöhnlich große Menge Autos anstehen. Was denken Sie? Richtig, Sie denken, es muss einen wichtigen Grund geben, jetzt noch zu tanken. Wenn es die Zeit erlaubt, würden sich die meisten Menschen wahrscheinlich dazu anstellen. Sie sind dem Schwarm gefolgt.

     

    Was kann HICRO für Sie tun?

    Wir haben das Schwarmphänomen eingehend untersucht und in unseren Analysearbeiten einfließen lassen. Wir beraten Unternehmen dahingehend, richtige Impulse in ihrer Außenwirkung zu setzen, damit sich Schwärme in die für sie richtige Richtung bewegen.

    Im richtigen Augenblick die entscheidenden Signale setzen, so gerät die Welt ins Schwärmen

     

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